Nach Wochen der Stille und ignorierter Mahnungen haben Sie endlich den Geschäftsführer Ihres Schuldners am Telefon. Er erkennt die offene Schuld von 50.000 € in vollem Umfang an, gibt aber an, vorübergehend in einem finanziellen Engpass zu stecken. Er schlägt vor, den Betrag in fünf monatlichen Raten von 10.000 € abzuzahlen. Sie sind erleichtert, dass endlich Bewegung in die Sache kommt, senden schnell eine Bestätigungs-E-Mail mit dem Text: "Einverstanden mit dem Vorschlag", und betrachten die Angelegenheit als erledigt.
Dies ist einer der häufigsten und zugleich gefährlichsten Fehler in der gewerblichen Inkassopraxis. Oft zeigt sich, dass die erste Rate noch bezahlt wird, es danach aber beängstigend still bleibt. Sie haben wertvolle Zeit verloren und stehen juristisch gesehen wieder am Anfang. Eine Zahlungsvereinbarung ist erst dann wertvoll, wenn sie mit Garantien und direkten Eskalationsmöglichkeiten wasserdicht abgesichert ist.
Die Grundlage: Der Vergleichsvertrag (Vaststellingsovereenkomst - VSO)
Halten Sie eine Zahlungsvereinbarung niemals über eine einfache E-Mail fest, sondern verlangen Sie einen formellen Vergleichsvertrag (Artikel 7:900 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches - BW). In diesem Vertrag beenden die Parteien einen Streit über die Rechnungen, indem sie bindende Vereinbarungen treffen. Ein eiserner VSO für Inkassozwecke enthält mindestens die folgenden Klauseln:
- Bedingungsloses Schuldanerkenntnis (Onvoorwaardelijke schulderkenning): Der Schuldner erkennt explizit und ohne jeglichen Vorbehalt die offene Hauptsumme an, einschließlich der eventuell bereits aufgelaufenen gesetzlichen Handelszinsen und Inkassokosten.
- Die Fälligkeitsklausel (De Opeisbaarheidsclausule / Verval van regeling): Dies ist der wichtigste Satz des Vertrages. Hierin steht, dass die Zahlungsvereinbarung sofort verfällt und der gesamte Restbetrag (einschließlich Zinsen und Kosten) sofort und ohne weitere Inverzugsetzung fällig wird, wenn der Schuldner eine Rate zu spät, gar nicht oder nicht vollständig zahlt.
- Wiederaufleben der Kosten (Herleving van kosten): Oft erlässt ein Gläubiger einen Teil der Inkassokosten als Zugeständnis für eine schnelle Zahlungsvereinbarung. Bauen Sie in den VSO ein, dass diese Kulanz verfällt (und die Kosten wieder aufleben), sobald die Vereinbarungen nicht eingehalten werden.
Die ultimative Absicherung: Der vollstreckbare Titel und die private Bürgschaft
Selbst ein perfekt formulierter VSO ist im Grunde immer noch 'nur' ein Vertrag. Wenn der Schuldner aufhört zu zahlen, müssen Sie prinzipiell dennoch eine Klageschrift einreichen und vor Gericht ziehen, um ein Urteil zu erwirken. Dies kostet erneut Monate an Zeit.
Wenn es um erhebliche Interessen geht, rate ich daher dazu, den VSO in einer notariellen Urkunde (notariële akte) festhalten zu lassen. Eine notarielle Urkunde liefert nämlich einen vollstreckbaren Titel (executoriale titel). Das bedeutet, dass ich im Falle, dass der Schuldner nur eine Rate versäumt, in Ihrem Namen sofort den Gerichtsvollzieher beauftragen kann, ohne Einschaltung eines Richters Bankkonten oder Inventar zu pfänden. Sie überspringen das gesamte Gerichtsverfahren.
Den Gesellschafter-Geschäftsführer (DGA) privat binden
Steckt die operative Gesellschaft (Werkmaatschappij) in Schwierigkeiten, aber der Gesellschafter-Geschäftsführer (DGA) weigert sich, mitzuwirken? Machen Sie den Abschluss der Zahlungsvereinbarung dann von einer persönlichen Bürgschaft (persoonlijke borgtocht) abhängig. Der DGA unterzeichnet den VSO dann nicht nur im Namen der BV, sondern auch privat. Zahlt die BV nicht? Dann klopfen Sie direkt an das Privatvermögen des Geschäftsführers an. Dies erhöht die Zahlungsmoral erheblich und wirkt oft genauso stark wie ein Verfahren bezüglich der Geschäftsführerhaftung.
Mein strategischer Rat
Lassen Sie sich nicht mit mündlichen Versprechungen oder informellen WhatsApp-Nachrichten eines in die Enge getriebenen Schuldners abspeisen. Sie sind der Gläubiger; Sie bestimmen die Bedingungen des Rettungsrings.
Wenn ein Schuldner um eine Zahlungsvereinbarung bittet, ist das der perfekte Moment, um Ihre Rechtsposition unangreifbar zu machen. Beauftragen Sie mich, um einen messerscharfen Vergleichsvertrag (VSO) aufzusetzen. Wir fordern Sicherheiten und bauen direkt wirkende Sanktionen ein. Nur dann wissen Sie sicher, dass Aufgeschoben nicht Aufgehoben bedeutet.